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Sprechstunde für Kinder mit Xia-Gibbs-Syndrom

Herzlich willkommen in unserer Spezialsprechstunde für Kinder mit Xia-Gibbs-Syndrom am TUM/kbo Zentrum für Seltene Entwicklungsstörungen! Wir begleiten betroffene Kinder, Jugendliche und ihre Familien nach individuellem Bedarf und im Verlauf. Unser Ziel ist es, betroffene Kinder und ihre Familien von der Diagnosestellung an kompetent, empathisch und langfristig zu begleiten.

Wir verfolgen einen umfassenden und familienzentrierten Ansatz. Dabei stehen nicht nur medizinische Aspekte im Fokus, sondern auch die Entwicklung, Lebensqualität und Teilhabe der Kinder im Alltag, Kindergarten und Schule. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Eltern, Bezugspersonen und externen Fachstellen ist für uns essenziell. Die Sprechstunde gehört zum TUM/kbo Zentrum für Seltene Entwicklungsstörungen. In diesem Rahmen erfolgen jährliche strukturierte Datenbank-Recherchen zum Symptomspektrum, aktuelle klinische Empfehlungen, Präzisionstherapien sowie Selbsthilfegruppen. So gewährleisten wir eine Beratung, die stets dem neuesten wissenschaftlichen und medizinischen Stand entspricht.

 

Über das Xia-Gibbs-Syndrom (Stand 12/2025)

Das Xia-Gibbs-Syndrom ist eine seltene genetische Erkrankung, die durch Veränderungen im AHDC1-Gen verursacht wird. Betroffene Patienten zeigen ein äußerst variables Symptomspektrum mit Entwicklungsverzögerung/Intelligenzminderung unterschiedlicher Ausprägung oft mit schwerer Sprachstörung (ca. 95%, männliche Patienten sind häufig hinsichtlich der Sprachentwicklung schwerer betroffen, selten werden auch Entwicklungsrückschritte berichtet), charakteristischen Gesichtszügen (80%), Kleinwuchs (50%, mit oder ohne Wachstumshormonmangel, Cheng et al. 2019), Muskelhypotonie (88%), Epilepsie (45%). Weiterlesen

nicht-epileptischen Bewegungsstörungen (u.a. Ataxie 65%), Gelenkhypermobilität, Auffälligkeiten der Haut und des Bindegewebes (50%, z.B. Aplasia cutis,  weiche lockere Haut), genitale/gonadale Veränderungen bei männlichen Patienten (50%), Verkürzung der Achillessehne (53%), Auffälligkeiten der Augen (40%, meist Schielen, selten zentrale Makuladystrophie), obstruktive Schlafapnoe (41%), Skoliose (26%), Fußfehlstellungen, Laryngomalazie (20%), Auffälligkeiten des Herzens (bis zu 40%, z. B. bikuspidale Aortenklappe, Vorhofseptumdefekt), Verhaltensauffälligkeiten (30-68%, u.a. Symptome aus dem Autismusspektrum, Hyperphagie/Esssucht) und vereinzelt Kraniosynostose, Schwerhörigkeit, angeborene Hypothyreose. In der zerebralen Bildgebung werden in mehr als 50% der Betroffenen Auffälligkeiten beschrieben (verzögerte/verminderte Myelinisierung, Corpus Callosum Hypoplasie, Zysten in der hinteren Schädelgrube und dysmorphe Sulci/Gyri) (GeneReviews 2021, OMIM 2020, Romano et al. 2022, Baga et al 2024, Bertrand et al. 2024, Sennes 2025)

Das AHDC1-Gen hat eine Funktion in der Signalübertragung vom Erbgut (DNA) in die menschlichen Zellen (Transpriktion und epigenetische Regulation (Romano et al. 2022). Die pathogenen Varianten im AHDC1-Gen sind in der Regel sog. truncating/Stopp-Varianten, mittlerweile wurden jedoch auch sog. Missense-Varianten beschrieben. Es gibt erste, dennoch nicht abschließend geklärte Ansätze zur Genotyp-Phänotyp-Korrelation. Sennes et al. 2025 beschreiben, dass Stopp-Varianten, die den N-Terminus (die erste Hälfte) des Proteins betreffen häufiger mit Epilepsie, Skoliose und möglicherweise Entwicklungsrückschritte assoziiert sind, im Vergleich zu Varianten, die den C-Terminus (zweite Hälfte) betreffen. Im Gegensatz dazu beschreiben Romano et al. 2022, dass N-terminale Varianten mit milderem Phänotyp und besserer kognitiver Funktion assoziiert seien. Jiang et al. 2024 beschreiben drei Subtypen des Xia-Gibbs-Syndroms unabhängig von der Position der pathogenen Varianten, dafür abhängig von Art der Variante (Nonsene/Frameshift/Missense) und dem Alter der Betroffenen: Ataxie-Subtyp (13%), Schlafapnoe/Kleinwuchs-Subtyp (27%) und Neuropsychologischer Subtyp (60%). Demnach betrifft der Ataxie-Subtyp bzw. Schlafapnoe/Kleinwuchs-Subtyp eher jüngere Patienten und eher Träger von Nonsense Varianten, während der Neuropsychologischer Subtyp (i. S. eines spät beginnenden Autismus´) eher ältere Patienten und eher Träger von Frameshift und Missense Varianten betrifft. Es handelt sich um eine seltene Erkrankung, aktuell werden in der medizinischen Fachliteratur mehr als 270 Fälle weltweit beschrieben.

Ein mutationsspezifischer Therapieansatz i. S. einer Präzisionstherapie ist aktuell nicht bekannt. Bei betroffenen Patienten mit Kleinwuchs und Wachstumshormonmangel kann eine Wachstumshormonbehandlung durchgeführt werden. Die Epilepsie ist in der Regel gut durch Standardmedikamente behandelbar. (GeneReviews 2021).

Kontakt zu anderen Mitbetroffenen in Deutschland kann über die Selbsthilfeorganisation Xia Gibbs e.V. (https://www.xia-gibbs.de/), LEONA e. V. (Dachverband) oder die Webseite www.kindernetzwerk.de oder über das MySyndrome Patientenregister in unserem Zentrum erfolgen. Internationale Gruppen sind oft über die sozialen Netzwerke verbunden.

 

 

Zur Abklärung der Betroffenheit einzelnen Organen empfehlen wir nach der Diagnosestellung bei Xia-Gibbs Syndrom die Durchführung folgender diagnostischer Maßnahmen:

  • Komplette pädiatrische und neurologische Anamnese und körperliche Untersuchung
  • Entwicklungspsychologische Diagnostik
  • Schlaf-EEG
  • cMRT bei Anfällen oder Auffälligkeiten in der neurologischen Untersuchung. cMRT Auffälligkeiten sind häufig beschrieben, eine Korrelation zum klinischen Verlauf ist dennoch nicht zwangsläufig gegeben.
  • Augenärztliche Diagnostik
  • Hördiagnostik
  • Kardiologische Diagnostik
  • Symptomspezifische Abklärung für endokrinologische (Wachstumshormonmangel, Hypothyreose), respiratorische, dermatologische, genitale und skelettale Auffälligkeiten.

Forschung und Weiterentwicklung

In der Forschungsgruppe Seltene Entwicklungsstörungen und Präzisionstherapien am Lehrstuhl Sozialpädiatrie der TU München ist in Kooperation mit der Sprechstunde der Aufbau und die Durchführung einer Phänotypstudie zum Xia-Gibbs-Syndrom geplant. Ziel dieser Studie ist es, die klinischen Merkmale, den Entwicklungsverlauf und die individuelle Ausprägung des Syndroms systematisch zu erfassen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen dazu beitragen, Diagnostik, Beratung und Begleitung weiter zu verbessern.

Des Weiteren ist eine Kooperation zur Untersuchung der zugrundliegenden molekularen und zellulären Pathomechanismen mit Identifikation von sog. Drug Targets und potentiellen Drug-Repurposing Ansätzen mit dem Forschungslabor Prof. Tikkanen, Biochemisches Institut, Justus-Liebig-Universität Giessen vorgesehen.

Die Teilnahme an der Phänotyp-Studie sowie am Kooperationsprojekt ist selbstverständlich freiwillig. Über Inhalte, Ablauf und Voraussetzungen informieren wir interessierte Familien gesondert.

 

Unser Angebot

In unserer Sprechstunde bieten wir:

  • Beratung und Begleitung der Familien zu medizinischen, entwicklungsbezogenen und sozialrechtlichen Fragen
  • Medizinische Einschätzung, Begleitung und Verlaufskontrollen im Rahmen der pädiatrischen Versorgung
  • Individuelle Behandlungs- und Förderplanung orientiert an den Fähigkeiten und Bedürfnissen des Kindes
  • Klinische Beratung
  • Langfristige Betreuung vom Säuglingsalter bis zum 18. Geburtstag
  • Zugang zu den diagnostischen und therapeutischen Angeboten des kbo-Kinderzentrums inkl. stationäre Intensivtherapien bei entsprechender Symptomatik und Förderbedarf

 

Unser Team

Sprechstundenleitung

ärztlich: Natali Kutlu, Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde,

psychologisch: Alin Fosselmann

Wie kann ich mich anmelden?

Alle Informationen zur Anmeldung finden Sie hier.

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