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Sprechstunde für Kinder mit Noonan-Syndrom

Herzlich willkommen in unserer Sprechstunde für Patienten mit Noonan-Syndrom sowie Leopard- und CFC-Syndrom!

Wir stellen uns vor

Seit 2019 bieten wir eine kontinuierliche interdisziplinäre sozialpädiatrische Betreuung und Begleitung für Kinder und Jugendlichen mit Noonan-Syndrom, Leopard-Syndrom und CFC-Syndrom sowie ihren Familien an. Unsere Anliegen sind, unseren Patienten und ihren Eltern auf Augenhöhe zu begegnen, die Familien zu ihren aktuellen Fragen zu beraten und einen fundierten medizinischen Hintergrund bei Fragen rund um die körperliche Gesundheit anzubieten. Zusätzlich hat die Sprechstunde eine besondere Expertise in der Behandlung und Betreuung von frühkindlichen Fütterstörungen und sensorischer Überempfindlichkeit, welche häufig bei Kindern mit Noonan-Syndrom vorkommen.

Die Sprechstunde gehört zum Zentrum für Seltene Entwicklungsstörungen (TUM/kbo). In diesem Rahmen erfolgen jährliche strukturierte Datenbank-Recherchen zum Symptomspektrum, aktuelle klinische Empfehlungen, Präzisionstherapien sowie Selbsthilfegruppen. So gewährleisten wir eine Beratung, die stets dem neuesten wissenschaftlichen und medizinischen Stand entspricht.

Nicht nur die Diagnose „Noonan-Syndrom“ ist genetisch sehr divers, auch unsere Patienten sind sehr unterschiedlich betroffen. Demnach richten sich unsere Empfehlungen, die Zusammensetzung des versorgenden Teams sowie die Häufigkeit der Wiedervorstellungen nach der klinischen Symptomatik.

Eine besondere Kooperation besteht zur Noonan-Sprechstunde am Deutschen Herzzentrum München unter der Leitung von PD Dr. Wolf.

 

Über das Noonan Syndrom (Stand 01/2026)

Das Noonan-Syndrom kann durch pathogene Varianten in verschiedenen Genen ausgelöst werden, Varianten im PTPN11-Gen sind dabei in ca. 50% der Betroffenen ursächlich und damit die häufigste Ursache eines Noonan-Syndroms. Weitere Genen mit Assoziation mit dem Noonan Syndrom sind das SOS1-Gen, (10-13%) LZTR1-Gen (8%), die KRAS-, RAF1-, RIT1- und SOS2-Gene (<5%), das BRAF-Gen und das MAP2K1-Gen (<2%), sowie sehr selten (<1%) das MRAS-Gen, das NRAS-Gen und das RRAS2-Gen (Roberts et al 2025).

Betroffene Patienten zeigen ein variables Symptomspektrum mit Kleinwuchs (50-70%), nicht familiären Gesichtszügen (hohe breite Stirn, Ptosis, Hypertelorismus, Auffälligkeiten der Ohren), Sehanomalien (95%, Schielen, Refraktionsfehler), Zahnfehlstellungen, Herzfehlern (50-80%, Hypertrophe Kardiomyopathie (20-30%, angeboren oder im Verlauf entstehend), Vorhof-/Ventrikelseptumdefekte, Pulmonalklappenstenose (oft mit Dysplasie, 20-50%), Verengungen der Lungenarterien und Fallot-Tetralogie), Muskelhypotonie, großem oder kleinem Kopfumfang, Hodenhochstand (60-80%), skelettalen Auffälligkeiten (Klumpfuß, Skoliose, Auffälligkeiten des Brustkorbes), Auffälligkeiten des Hautbildes (Keratose pilaris, Ektodermale Symptome, peripheres Lymphödem), Taubheit (40%).

Seltener werden Entwicklungsverzögerungen, Intelligenzminderung (6-23%), Sprach- und Lernschwierigkeiten, Verhaltensauffälligkeiten (insb. eine frühkindliche Fütterstörung, später eine Konzentrationsschwäche), Auffälligkeiten der Nieren (11%), Schilddrüsenfunktionsstörung, Gerinnungsstörungen (6-10% abnormale Blutungen, Blutergüsse bei der Mehrheit) und Auffälligkeiten in der zerebralen Bildgebung (insb. Chiari I Malformation) beschrieben.  (Quelle KPS, Genereviews 12/2025, OMIM, Orphanet) 

Betroffene Patienten mit Noonan-Syndrom mit multiplen Lentigines oder Leopard-Syndrom zeigen ein überlappendes Symptomspektrum, wobei sich im Verlauf die charakteristischen Auffälligkeiten des Hautbildes sowie eine Hörverlust entwickeln können. 

Betroffene Patienten mit CFC-Syndrom zeigen ein sehr ähnliches Symptomspektrum, wobei sie hinsichtlich der Entwicklungsverzögerung/Intelligenzminderung, der gastrointestinalen Symptomatik, sowie den Auffälligkeiten in der zerebralen Bildgebung oft schwerer betroffen sind, als Noonan-Patienten.

Das PTPN11-Gen, wie die allermeisten Noonan-Syndrom assoziierten Gene haben eine Funktion in der Signalübertragung innerhalb der menschlichen Zellen und ist essenziell für Zellwachstum und Zelldifferenzierung im Zusammenhang mit dem sog. RAS-Signalweg. Beim Noonan-Syndrom handelt sich um eine seltene Erkrankung, die Prävalenz wird auf 1:1000 bis 1:2500 geschätzt. (Quelle Orphanet, Stand 2020) 

Ein mutationsspezifischer Therapieansatz mit Trametinib (Mekinist®) sowie mit Rapamycicn (Everolimus®) ist für die Behandlung der hypertrophen Kardiomyopathie (Verdickung der Herzmuskulatur) i. R. des Noonan-Syndroms bekannt (Wolf et al. 2025).  De Brouchoven et al. 2025 berichten von Verbesserung der therapierefraktären lymphatischen und kardialen Dysfunktionen in Neugeborenen und Säuglingen mit Noonan-Syndrom, einschließlich mit pathogenen Varianten in den Genen PTPN11 und SOS1. Eine Behandlung mit Wachstumshormon ist bei Noonan-Syndrom und Kleinwuchs eine zugelassene Therapieoption, allerdings soll die Behandlung bei Patienten mit hypertropher Kardiomyopathie bzgl. des Risiko der Verschlechterung der Kardiomyopathie kritisch diskutiert werden. Einige Substanzen werden in klinischen Studien zur Förderung des Wachstums untersucht, u. a. Wachstumshormon-Behandlung, Vosoritide, Somapacitan sowie Kinserzin, Statine und Simvastatin.

Kontakt zu anderen Mitbetroffenen in Deutschland kann über die Selbsthilfeorganisation Noonan-Kinder e.V. Deutschland, über die Webseite www.kindernetzwerk.de oder über das MySyndrome Register in unserem Zentrum erfolgen. Internationale Gruppen sind oft über die sozialen Netzwerke verbunden. 

 

Im Rahmen der Erstabklärung nach der Diagnosestellung eines Noonan-Syndroms empfehlen wir folgende diagnostische Maßnahmen:

  • Komplette pädiatrische und neurologische Anamnese und körperliche Untersuchung
  • Kardiologische Diagnostik 
  • Überprüfung der Ernährung und Essverhalten  
  • Augenärztliche Diagnostik 
  • Hördiagnostik 
  • Sono Niere und ableitender Harnwege, weiterführende urologische Diagnostik nur bei klinischen oder sonographischen Auffälligkeiten 
  • Hämatologische Diagnostik z. A. Gerinnungsstörung, insb. vor einer geplanten Operation
  • Endokrinologische Diagnostik (Schilddrüsenfunktion, Wachstumshormonhaushalt) 
  • Symptomspezifische Abklärung für skelettale- und Hautauffälligkeiten.  
  • Entwicklungspsychologische Diagnostik bezüglich Entwicklungsstand und Verhaltensauffälligkeiten
  • cMRT bei z. A. Chiari Malformation (Kopf- und Nackenschmerzen, Gefühlsstörungen und Schwäche der Extremitäten, Gangunsicherheit)  
  • Hämatologische Diagnostik z. A. Gerinnungsstörung, insb. vor einer geplanten Operation 
  • Schlaflabor bei V. a. Schlafapnoe
  • Überprüfung der Ernährung und Essverhalten 

 

Nach abgeschlossener Erstabklärung empfehlen wir im Verlauf folgende klinischen Untersuchungen, je nach Organsystem:

  • Regelmäßige kardiologische Betreuung je nach Klinik ist empfohlen. Wir empfehlen eine Vorstellung in der Noonan-Syndrom / RASopathie Sprechstunde des Deutschen Herzzentrums in München (Frau Prof. Dr. Wolf). 
  • Mindestens jährliche augenärztliche Vorstellung
  • Im Kleinkindesalter mindestens jährliche Hördiagnostik, später alle 2-3 Jahre bei unauffälligen Befunden
  • Jährliche hautärztliche Kontrollen beim Leopard-Syndrom. 
  • Endokrinologische Vorstellung bei Kleinwuchs (zumeist mit 4 Jahren Alter) und bei Schilddrüsenfunktionsstörung. 
  • Eine orthopädische Mitversorgung ist bei vielen Patienten im frühen Kindesalter erforderlich, inkl. Versorgung mit Orthesen der unteren Extremitäten oder Kontrolle der Skoliose sowie Versorgung mit weiteren Hilfsmitteln (Therapiestuhl, Reha-Buggy) um die Teilhabe zu verbessern. 
  • Neuropädiatrische Verlaufsdiagnostik (EEG, cMRT) ist bei entsprechender klinischer Symptomatik (insb. bei Anfällen oder Anzeichen einer Arnold-Chiari-Malformation (Kopf- und Nackenschmerzen, Gefühlsstörungen und Schwäche der Extremitäten, Gangunsicherheit)) empfohlen. cMRT-Auffälligkeiten sind mehrfach beschrieben, eine Korrelation zum klinischen Verlauf ist dennoch nicht zwangsläufig gegeben.  
  • Hämatologische Abklärung vor operativen Eingriffen (inkl. CK-Analyse), sowie frühzeitig bei Zeichen von Blutungsneigung z. A. einer Thrombozytopenie, von Willebrand Syndrom, Faktor XI(C), Faktor XII(C) oder Faktor XIII(C) Mangel. 
  • Bei leicht erhöhtem Tumorrisiko im Vergleich zu der Allgemeinpopulation wird aktuell eine klinische Untersuchung mit besonderem Augenmerk auf Hepatosplenomegalie und klinische Zeichen einer myeloproliferativen Erkrankungen ab Geburt bzw. Diagnose empfohlen: a) alle 3 Monate im ersten Lebensjahr, b) dann bei jeder regulären Vorsorgeuntersuchung bis zum Alter von 5 Jahren, c) zusätzlich beim Auftreten von klinischen Symptomen. Bei Hepatomegalie wird die Durchführung eines sog. großes Blutbildes empfohlen. Bei auffälligem Blutbild sollten Expertinnen und Experten für myeloproliferative Erkrankungen konsultieren. Regelmäßige Screening Blutbild Untersuchungen werden bei asymptomatischen Kindern nicht empfohlen. Zusätzlich bei Noonan Syndrom mit multiplen Lentigines ist eine dermatologische Untersuchung ab Geburt jährlich empfohlen (KPS Register, Perrino et al.2024).

CAVE: Aufgrund der Blutungsneigung sollte die Gabe von Aspirin vermieden werden.

Unser Angebot

In unserer Sprechstunde bieten wir:

  • Beratung und Begleitung der Familien zu medizinischen, entwicklungsbezogenen und sozialrechtlichen Fragen
  • Medizinische Einschätzung, Begleitung und Verlaufskontrollen im Rahmen der pädiatrischen Versorgung
  • Individuelle Behandlungs- und Förderplanung orientiert an den Fähigkeiten und Bedürfnissen des Kindes
  • Klinische Beratung
  • Langfristige Betreuung vom Säuglingsalter bis zum 18. Geburtstag
  • Zugang zu den diagnostischen und therapeutischen Angeboten des kbo-Kinderzentrums inkl. stationäre Intensivtherapien bei entsprechender Symptomatik und Förderbedarf

 

Unser Team:

Sprechstundenleitung

ärztlich: dr. med. Marta Somorai, Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde, Leitung SPZ und ZSEamKIZ

psychologisch: Dipl. Psych. Claudia Rupprecht und Dipl. Psych. Eva Schmidbauer

 

Wie kann ich mich anmelden?

Alle Informationen zur Anmeldung finden Sie hier.

Damit Ihre Anmeldung in Kinderzentrum entsprechend weitergeleitet werden kann, bitten wir Sie „Sprechstunde für Kinder mit Noonan-Syndrom“ zu vermerken.

Interdisciplinary sessions at the Deutsches Herzzentrum München
The detailed paediatric cardiological examination is carried out in the Deutsches Herzzentrum München (DHM) in the special treatment sessions for children with Noonan syndrome and other RASopathies under the guidance of PD Dr. med. Cordula Wolf. This should be done for all children with RASopathies, as genetic heart diseases can occur within this syndrome. The integrated cardiological investigation in the DHM includes an in-depth discussion with experts in the field of genetic heart defects, especially in connection with RASopathies. In addition, alongside the vital parameters, a cardiological physical examination, electrocardiography and echocardiography are carried out. Subsequent diagnostic measures, such as a 24-hour long-term ECG or cardiovascular magnetic resonance tomography, are then initiated if necessary. Together, the experts at kbo and DHM are in scientific discussions with various research groups so that our patients can be offered appropriate new treatments.

How can I register?

To arrange a time for a session for children with Noonan syndrome and other RASopathies in the Deutsches Herzzentrum München

with PD Dr. med. Cordula Wolf (Tuesdays only)

Telephone | +49(0)89 1218-3005
e-mail | kinderambulanz(at)dhm.mhn.de