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Bunte Grafik mit Kindern

Traumafolgestörungen bei Kindern aus Familien mit Fluchthintergrund: Diagnostik und Behandlung

Belastende Kindheitserlebnisse haben schwerwiegende Folgen für das Wohlbefinden und den Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen bis in das Erwachsenenalter hinein. Im Hinblick auf die Versorgung unserer jungen Patienten ist dies aktuell hoch relevant, da mit den Familien mit Fluchthintergrund eine diesbezüglich sehr vulnerable Patientengruppe zunehmend häufiger in unserem Behandlungssystem Hilfe sucht.

Im Gegensatz zu Erwachsenen zeigen Kleinkinder nach belastenden Erlebnissen eher unspezifische Symptome auf der Verhaltensebene und können diesbezüglich noch keine Selbstauskunft geben. Auf Reize, die sie an die potentiell traumatisierenden Situationen erinnern, zeigen sie oft übertrieben starke Reaktionen, die nicht selten im Umfeld (ohne Wissen über Vorgeschichte und Trigger) lediglich als massive Verhaltensprobleme wahrgenommen werden. Somit verursachen diese sog. „überlebensfokussierten Zustände“ (ÜZ) der Kinder oft Leidensdruck im Betreuungsumfeld und den Familien. Zudem weiß man inzwischen, dass diese Symptome ohne gezielte Behandlung nicht immer von alleine wieder verschwinden, sondern bei betroffenen Kindern oft noch Jahre später entsprechende Verhaltens- und sozial-emotionale Probleme berichtet werden. Eine frühzeitige Diagnostik ist daher wichtig, um gezielt therapeutische Maßnahmen einleiten zu können.

In der seit Juni 2018 laufenden Studie mit dem Titel „Entwicklungsspezifische Aspekte der Posttraumatischen Belastungsstörung bei Kindern mit Fluchthintergrund“ werden speziell die für 3 - 6-jährige Kinder typischen unspezifischen Symptome auf der Verhaltensebene operationalisiert, indem neben der elterlichen Einschätzung (Traumascreening CATS und Strength and Difficulties Questionnaire SDQ) auch die Perspektive der Erzieher/Lehrer/Betreuer*innen (SDQ,  ÜZ) im sozialen Umfeld der Kinder diagnostisch berücksichtigt wird. Ebenso erheben wir die eigene elterliche Belastung (Refugee Health Screener RHS-15), den kognitiven Entwicklungsstand der Kinder (sprachfreie Skala der Kaufmann-Assessment-Battery for Children, SIF aus KABC-II) sowie deren Lernleistung (Untertest Atlantis der KABC-II) und das Spielverhalten (strukturierte Spielbeobachtung mit Videoaufnahme). Zusätzlich werden anhand von Speichelproben die Kortisolaktivität (Tagesprofil) und die Ausprägung bestimmter Genexpressionen als neurobiologische Marker erfasst.

Aktuell finden die ersten Follow-up-Untersuchungen der Kinder 2 Jahre nach Erstvorstellung statt.

Studienleitung und -koordination: Dipl.-Psych. Andrea Hahnefeld

Kooperationspartner/-Projekte:                             

  • Universitätsklinik Ulm (Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie, Prof. Dr. J. Fegert, T. Sukale) im Rahmen des Projektes PORTA („Providing Online Ressource and Trauma Assessment for Refugees“)
  • Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München (Prof. Dr. E. Binder): Epigenetische Analysen
  • Mit der Interdisziplinären Kindertraumasprechstunde in Dependancen des ANKER-Zentrums in München bieten Mitarbeiter*innen des Lehrstuhlteams in Kooperation mit der Abteilung für Psychosomatik (Rechts der Isar, TU München) eine frühzeitige und niedrigschwellige diagnostische und therapeutische Versorgung von Kindern aus Familien mit Fluchthintergrund direkt vor Ort in den Unterkünften an. Dieses Projekt wird finanziert über das Bayrische Innenministerium.
  • EU-gefördertes AMIF-Projekt: Die kultur- und traumasensitive Betreuung von Kindern und deren Familien in AnkER-Zentren/Dependancen 

Die internen Kinderangebote werden um eine kultur- und traumasensitive Komponente ergänzt sowie eine begleitende Elternschulung („Parents‘ College“) weiter ausgebaut, so dass eine niedrigschwellige Intervention mit verschiedenen Bausteinen entsteht: Erweiterte interdisziplinäre Kindertraumasprechstunde IKTS mit Konsildienst für weitere Dependancen, kultur- und traumasensible Kinderangebote vor Ort in den Unterkünften im Sinne eines Vorkurses für den Kindergarten- und Schulbesuch sowie psychoedukative Elternarbeit. Dieses Konzept soll helfen, die negativen Folgen von Deprivation und Trauma bei den Kindern frühzeitig zu minimieren und wird in einer Studie des Lehrstuhles evaluiert.

Team: Katharina Münch, Gabriela Espinoza, Matthias Klosinski, Elena Weigand, Verena Dudek, Jana Uppendahl, Saskia Becker, Katharina Bernhardt, Elisabeth Schnell

Ansprechpartner: Dipl.-Psych. Andrea Hahnefeld
Psychologische Psychotherapeutin (Verhaltenstherapie) mit Weiterbildung „Spezielle Psychotraumatherapie mit Kindern und Jugendlichen“ (DeGPT)

Tel.: 089 30685800 

Email: andrea.hahnefeld(at)kbo.de